Willkommen auf dem Jakobsweg!

  
  Herzlich willkommen, liebe Pilgerin / lieber Pilger! Auf diesen Seiten findest Du nützliche Informationen, um gut vorbereitet auf Jakobswegen in Deutschland, Frankreich und Spanien unterwegs zu sein!  Wo auch immer Dein Abenteuer beginnt - eine passende Ausrüstung ist sicher ein guter Anfang. (Siehe "Packliste Radpilgern" oder "Packliste Fußpilgern.")  
   Aber noch viel wichtiger ist es, einen lange gehegten Traum vom Pilgern einfach irgendwann zu beginnen. Einfach so. An einem freien Tag, oder an einem Wochenende, gleich vor der Haustür. Und von den ersten Metern an weißt Du, dass es sich richtig anfühlt, jetzt endlich auf dem "Camino" zu sein!  
   Ob Du Dir von Anfang an einen Pilgerpass bestellen möchtest, bleibt Dir natürlich überlassen. Das Stempel-Sammeln macht einfach Spaß und ist später auch eine schöne Erinnerung! In Deutschland gibt es inzwischen zahlreiche eingetragene Pilgerherbergen, in denen Du damit recht günstig (ca. 5-12 Euro) übernachten kannst. Wenn Du aus Hamburg kommst, kann der Jakobsweg z.B. in der St.Jakobi-Kirche begonnen werden. Oder im Mariendom in der Danziger Straße. Oder tatsächlich direkt vor deiner Haustür! Buen Camino!


Über das Pilgern...


Pilgern ist anders als Urlaub. Schon beim Aufbruch ist innerlich der Vorsatz da, nachgiebiger, toleranter und freundlicher zu sein als sonst. Vielleicht kann man sagen: Das Herz ist offen.  Man kann mehr und auch andere Dinge sehen als sonst. 


Nirgendwo spürt man den Sinn des eigenen Lebens so stark wie beim Pilgern. Es gibt den Zauber des Anfangs, die Vorfreude auf das Abenteuer, die Begeisterung des Aufbruchs, das Staunen über das Unbekannte, den Mut, Neues zu wagen. Natürlich gibt es dabei auch die Frage, ob diese Herausforderung auch zu schaffen ist.

Mehr als in jeder anderen Situation ist man bereit, flexibel und tolerant zu sein. Andere Pilger werden fast wie Verwandte behandelt, bei jedem Wiedersehen freut man sich aufs Neue. Pilger zu sein ist ein unsichtbares Band zwischen Menschen, die auf der Suche sind, und dieses Band ist spürbar, z.B. durch eine große Hilfsbereitschaft und eine freundliche, positive Grundeinstellung.

Viele Pilger berichten, dass der Jakobsweg ein Weg voller Zeichen ist. Es gibt oft Überraschungen, hinter denen mehr als nur ein Zufall zu vermuten ist. 

Es ist sehr heilsam für die Seele, lange Strecken aus eigener Kraft zu bewältigen. Und es ist heilsam, auf dem Pilgerweg auch den Kontrast zwischen schönen Landschaften und kargen Brachflächen und Industriegebieten zu erleben, denn man stellt fest, das dieser Wechsel auch den eigenen Lebensweg abbilden kann.

Manchmal möchte man dem Impuls folgen, die öden Strecken einfach auszulassen. Aber gerade diese Teile des Weges stärken Geist und Durchhaltevermögen und geben dem Pilger das Selbstvertrauen, auch auf dem eigenen Lebensweg Schwieriges meistern zu können, indem beharrlich ein Fuß vor den anderen gesetzt bzw. fleissig in die Pedale getreten wird.



Welche Motivation hat ein Pilger?


Die Kunde von dem wiederentdeckten Grab des Jakobus erreichte vor vielen Jahrhunderten weite Teile Europas. Die Sehnsucht, diese Grabstätte fast am Ende der damals bekannten Welt aufzusuchen und dadurch etwas von der Nähe Jesu zu spüren, war groß und wuchs von Jahr zu Jahr. Dazu kam der Glaube, dass eine entbehrungsreiche Pilgerreise helfen kann, Schuld und Belastung zu überwinden und seinem Leben einen neuen Sinn zu geben.

Auch heute pilgern Tausende von Menschen aus allen Teilen der Erde auf diesem Weg. Warum zieht es Menschen auf den Pilgerweg?  


Etwas vor Gott bringen, darbringen, sein Leben ausbreiten, überdenken, erkennen. Lernen, durchzuhalten. Durch das Weitergehen eine Möglichkeit erleben, Kummer zu bewältigen, und dabei seine eigene Kraft zu spüren. Jeder Schritt trägt weiter. 


Jeder Pilger, der uns begegnet, bringt etwas mit: Seine Erschöpfung, seinen Erfahrungsreichtum, seine Begeisterung, seine Verzagtheit... und jeder Pilger, der unseren Weg kreuzt, nimmt auch etwas mit: Er schultert auch ein Stück von unserer Last und trägt sie mit sich fort. Er nimmt unsere Sehnsüchte mit, manchmal, ohne es zu wissen. Er nimmt uns ein Stück unserer Ängste, denn er zeigt uns durch sein Tun, dass es machbar ist, dass man es schaffen kann, wenn man will.


Der Pilgerweg verbindet uns auch mit Christen, die vor vielen Jahrhunderten gelebt haben. Unser Glaube ist ihr Glaube, wir gehen den Weg weiter, den sie zuvor gegangen sind. Nach uns werden viele Tausende Menschen dort pilgern, wo wir auch gelaufen sind, Steine und Marmor anfassen, um ein Stück Ewigkeit zu spüren, die wir auch berührt haben.


Das Fühlen der Steine, der Kirchenbänke, der ausgetretenen Steintreppen gehört wie beim „ungläubigen Thomas“ mit zu unserem Wunsch, Zeichen dafür zu finden, dass es wahr ist, was Jesus uns verheißen hat. 


Auf dem Jakobsweg möchten viele Pilger dahin gelangen, wie der heilige Thomas sagen zu können: „Mein Herr und mein Gott!“ (Jesus sagte zu Thomas: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Trotzdem hatte Jesus Verständnis für Thomas. Thomas konnte es einfach nicht fassen. In dieser Position sind heute sehr viele Menschen, und da ist es nahe liegend, die Säulen einer Kathedrale zu berühren, um Zugang zu dem eigentlich Unfassbaren zu bekommen.


E Ultreia!“ rufen die Spanier den Pilgern zu. Das bedeutet: Und weiter! Nicht aufgeben, sondern weitergehen!


Letztlich heißt es auch: Gottes Anwesenheit in allen Lebenslagen spüren, auf unwegsamem Gelände - und auf Wegen durch blühende Landschaften.



 


 

 

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